1.
Stadt der
gemeinsamen
Güter

Menschen schließen sich zusammen, um Raum, Infrastruktur und Verantwortung zu teilen. Der Gebrauch gemeinsamer Güter schafft mehr Lebensqualität und hilft, expansives Wachstum zu überwinden.

Die Nutzung gemeinsamer Güter hilft, die bislang gängigen Modelle von Ressourcenverbrauch und Wachstum zu überwinden. Raum, Infrastruktur und Verantwortung bei der Entwicklung von Quartieren zu teilen ist nicht ideologisch geprägt, sondern folgt pragmatischen Bedürfnissen und Erfahrungen. Damit verbunden sind mehr Lebensqualität und individuelles Wohlbefinden. Ein hohes Maß an Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln oder individuelle Kompetenzen, die der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden, spielen dabei ein große Rolle. Aber auch Rechte und Pflichten der Mitglieder von Gemeinschaften und deren Organisationsformen wirken sich entscheidend auf Prozesse des Teilens von gemeinsamen Gütern aus.

Aus Perspektive der Stadtentwicklung geht es darum, wie wir künftig in der Stadt gut leben können. Dabei gewinnen Fragen nach den Bedingungen der Bodennutzung und -ökonomie, den Grenzen zwischen Privat und Öffentlich, nach Verdichtung und Multifunktionalität an Bedeutung.

Welche Konsequenzen hat die Stärkung des WIRs nach Jahrzehnten der Individualisierung für die Ausprägung städtischer Nachbarschaften und die Gestaltung unserer Lebensumgebung? 

Wie wird in solchen Projekten das Ziel wirtschaftlichen Wohlstands eingeschätzt bzw. durch andere Ziele substituiert? Wie wird der Begriff  „Lebensqualität“ neudefiniert?  

Sind Modelle des Zusammenlebens in größeren städtischen Gemeinschaften dauerhaft tragfähig?

Wie können Gemeinschaften von lokalen Wirtschaftskreisläufen und einer engen Verflechtung zwischen Stadt und Umland profitieren? Welche Rolle spielt der Zusammenhang zwischen privatem Kapital und öffentlichen Förderungen?

2.
Urbanismus
der Zellen

Die zukünftige Stadt entsteht im Spannungsfeld zwischen lokalen Lebenswelten und gesamtstädtischen Strategien.

In der Phase der Globalisierung gewöhnten wir uns daran, über Raum und Distanz anders zu denken und zu empfinden als zuvor. Neue Raumordnungsmodelle entdecken nun die Potenziale städtischer Lebenswelten in einer re-lokalisierten Gesellschaft wieder. Darüber hinaus werden nutzergetragene Projekte gefördert und neue Modelle für die Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Lebensformen entwickelt.

Der Urbanismus der Zellen folgt dem Prinzip der Akkupunktur: die gezielte Aktivierung strategischer Orte und deren gesamtstädtische Wirkung bedingen einander. Jede Stadtzelle zeichnet sich durch besondere, lokale Begabungen aus und übernimmt gleichzeitig eine Funktion im gesamtstädtischen Organismus. Die kontinuierliche Rückkoppelung zwischen kleinem und großem Maßstab wird zur Ressource für Teilhabe, Selbsterneuerung und Krisenresistenz der kommenden Stadt.

Welche Rückkoppelungen und Verbindungen ergeben sich aus der Stärkung von nutzergetragenen Quartieren für die Gesamtstadt? 

Wie könnten Wechselwirkungen zwischen Nospolis-Zellen gestaltet werden? 

Wie kann die Kopplung von Systemen des ressourcenschonenden Wirtschaftens, der Selbstbestimmung und Teilhabe, der Ökologie und neuer Mobilität Stadtzellen zu Katalysatoren eines nachhaltigen Wandels machen? 

Welche Rolle spielen hierbei Planer und Architekten?

3.
Ko-produktive
Raumstrategien

Gemeinsame Räume, selbstbestimmte Projekte und offene Prozesse zu gestalten erfordert ein erweitertes Verständnis von Architektur, Planung und Ästhetik.

Nospolis zeichnet sich durch eine neue Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Räumen aus. Zugunsten von multifunktionalen und gut ausgestatteten gemeinschaftlichen Räumen wird der Flächenverbrauch durch Wohnungen reduziert. Es gilt, durch eine möglichst hohe Dichte wenig Raum zu verbrauchen, gleichzeitig aber ein Maximum an Nutzungsvielfalt und Nähe zu ermöglichen sowie Freiraum für Austausch, geänderte Lebensstile und neue Arbeitsfelder zu schaffen. 

Die damit verbundenen Architekturen erfordern eine Neuinterpretation der tradierten Nutzungsfestlegungen. Sie sind weniger autonomer Entwurf eines Einzelnen als vielmehr Produkt eines nutzergetragenen Prozesses. Indem die Menschen eines Quartiers ihre eigenen Vorstellungen und Projekte einbringen, werden sie zu Ko-Produzenten von Stadt und Raum. Architekten werden damit keineswegs überflüssig; vielmehr wird ein neues Verständnis von Raumproduktion und -ästhetik notwendig, das potenziell den Handlungsspielraum des Planers verlagert bzw. erweitert.

Wie können eine hohe Dichte, Öffentlichkeit und Nutzungsvielfalt gestaltet und gleichzeitig die Ansprüche an Individualität und Komfort gesichert werden? 

Welche Gestaltungstypologien gibt es für hybride Räume? 

Welche Planungswerkzeuge organischer Wachstumsprozesse von Nachbarschaften erzeugen hohe Gestaltungsqualität?

Wie kann Architektur zum Auslöser gemeinschaftlicher Stadtprozesse werden?

Was bedeutet eine Praxis der Ko-produktion für unser Verständnis von Architektur und Städtebau?